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Austernseitling   
Pleurotus ostreatus (Jacqu.)Kumm.

Ganzjahresform des Austernseitlings  im Oktober auf Buchenholz

Der Austernseitling ist der ideale Gartenpilz für den Beginner. Er fruchtet in prächtigen Dächern deren Farben von taubenblau bis dunkelbraun wechseln können, je nach Witterung, Sonneneinstrahlung und Untergrund. Derselbe Pilz auf demselben Holz kann in einer erstaunlichen Farbenvielfalt daherkommen. Er ist ein ausgezeichneter Speisepilz. Pilze, die unter dem Namen Austernseitling in den Handel kommen sind oft keine Austernseitlinge, sondern Lungenseitlinge, Pleurotus pulmonarius. Der typische Austernseitling hat eine gräulichbraune Grundfarbe mit einem Stich ins Hellblaue und Violette, wie das Federkleid der Turteltauben. Daher heisst er auch Taubenblauer Seitling, oder lateinisch Pleurotus, ostreatus var. columbinus. 

 

Primordien

Mit dem Wort "Primordien" bezeichnet man in der Pilzkunde die Verdichtungen und Knotenbildungen des Pilzgeflechts, woraus sich die Fruchtkörper bilden.

Wie bei den meisten holzzersetzenden Pilzen entstehen beim Austernseitling die Primordien in geschützten Klüften und Rissen des Holzes oder der Rinde.

Der Beginn der Bildung von Fruchtkörpern ist für den Pilz ein risikoreiches Unterfangen. Es lauern nämlich überall Schnecken, die diese ersten zarten Ansätze für die Fruchtkörper der Pilze im Keime ersticken können, indem sie die winzigen Köpfchen abfressen. Und seltsam: Das Wachstumszentrum der Fruchtkörper liegt ganz alleine im schon deutlich sichtbaren Hütchen. Ist es abgeschnitten oder abgefressen, dann stoppt das Wachstum sofort und aus dem zurückbleibenden Stielrest kann sich kein neuer Hut mehr bilden. 

Vor allem beim Beginn der Fruchtungsphase muss man also auf Schnecken ein wachsames Auge haben. Später können die gefrässigen Schnecken den grossen Fruchtkörpern weniger anhaben, weil die Pilze so schnell und kräftig wachsen.

 

 

 

 


 

 

 

 

    

 


Reife Fruchtkörper

 

Aufnahmen vom Oktober. Alle diese Pilze wachsen auf Stämmen von Rotbuche im Vollschatten einer Ligusterhecke. 

 

 


Auf Erde

Selten wachsen Austernseitlinge direkt aus dem Boden. Es kann aber vorkommen, dass sie ein rechtes Stück von ihrer Heimatstube entfernt Fruchtkörper bilden. Wer Lust hat Austernseitlinge im Topf zu züchten ohne Holz, der kann das Experiment wagen, grosse Stücke des  verhärteten Bodenmycels einzupflanzen.  

  
 

 

Im Freien

Eine Austernseitlingsanlage im offenen Gelände anzulegen ist möglich unter der Bedingung, dass man das Wachstum des Grases in Zaum halten kann. Ansonsten sieht man die Pilze schlicht nicht mehr und wer will schon Pilze ernten, die er nicht sieht?

In einem Geländestück der Pilzzeria in Seegräben bei Zürich haben wir solche Versuche gemacht. Die Pilze wachsen üppig und gerne. Aber man muss  Jäger sein oder Adler, um da etwas zu entdecken. Oder sehen sie auf den untersten zwei Bildern die Pilze?

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf Nadelholz

Auch auf Nadelholz kann  Pleurotus ostratus var. columbinus wachsen. Die Bilder zeigen einen Stammabschnitt von Picea abies (Rottanne, Fichte) mit Sägemehlbrut nach Deckelmethode beimpft. Das Holz muss aber sehr lange gewässert werden, bis es eine Dichte von annähernd 1g/cm3 hat. Der Pilz erscheint hier sogar aus dem noch im Plastikbeutel verpackten Holz.

 

 


Märchen

Weitverbreitete Meinung: "Austernseitlinge wachsen nur, wenn die Holzabschnitte Erdkontakt haben." Falsch.
Sie wachsen auch direkt aus den Plastikbeuteln, in denen die Stämme lagern. Ziemlich sicher aber haben ausgepflanzte Hölzer mehr Ertrag.